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Uelzen, Allgemeine Zeitung vom 25. Dezember 2005

Lokalnachrichten Landkreis Uelzen

Nach Klingel-Terror ermordet

Familienvater (52) tötet in der Fußgängerzone 17-Jährigen mit Stichen in Kopf und Brust

Von Thomas Mitzlaff

Uelzen. Uelzen einen Tag vor Heiligabend: In der Innenstadt herrscht trotz Nieselregens reges Treiben, zahlreiche Menschen erledigen ihre Weihnachtseinkäufe. Kaum einer beachtet die gelben Striche auf dem Pflaster, die sich quer durch die Fußgängerzone ziehen - es ist die Spur eines sterbenden Menschen.

Genau 138 Meter lang ist die Blutspur, die Experten der Kriminalpolizei noch in der Nacht zu Freitag mit Kreide markiert haben. 138 Meter, auf denen sich der bereits tödlich verletzte Marc R. (17) auf der Flucht durch die Fußgängerzone schleppte, bevor er auf einer Bank vor einer Schnellreinigung zusammenbrach - getötet von mehreren Messerstichen in den Kopf und in die Brust.

Bevor das 17-jährige Opfer das Bewusstsein verliert, kann es um 0.49 Uhr noch über sein Handy den Notruf der Polizei anrufen. Er sei mit einem Messer angegriffen worden und benötige dringend einen Notarzt, schildert der Schwerstverletzte den Beamten und nennt den Namen des mutmaßlichen Täters. Nur zwei Minuten später trifft ein Rettungswagen in der Fußgängerzone ein - Sanitäter kämpfen um das Leben des Jugendlichen, doch vergeblich. Marc R. stirbt um 1.30 Uhr an inneren Blutungen im Uelzener Klinikum.

Nach gezielten Hinweisen nimmt die Polizei noch in der Nacht einen dringend Tatverdächtigen in dessen Wohnung an der Hauenriede fest. Der 52-jährige Familienvater wird noch am Nachmittag dem Haftrichter am Amtsgericht Uelzen vorgeführt. Dieser erließ Haftbefehl wegen Mordes.

Die Familie des Handwerkers soll schon nach Aussagen von Nachbarn seit Monaten von dem 17-Jährigen terrorisiert worden sein. Und auch in dieser Nacht tauchte Marc R. vor dem Wohnblock auf, in dem er früher selbst lebte, und drückt pausenlos auf die Klingel.

Da greift der Verdächtige offenbar irgendwann zu einem Messer mit etwa 15 Zentimeter langer Klinge, rennt aus dem Haus und verfolgt den flüchtenden Jugendlichen auf dem Fahrrad. Die Jagd endet vor zwei Telefonzellen an der Ecke Ringstraße/Bahnhofstraße, nur wenige Häuser von der Wohnung des 17-Jährigen entfernt. Mehrfach sticht der Handwerker dem Jugendlichen in den Kopf und in die Brust. Hier werden später die gelben Kreidestriche der Polizei beginnen

Gestern Vormittag gehen Bereitschaftspolizisten sowie aus Aurich und Oldenburg angeforderte Spürhunde die Strecke von der Fußgängerzone bis zur Hauenriede ab, schauen in jedes Gebüsch, jeden Gully, jeden Mülleimer. Sie suchen die Tatwaffe, die der Verdächtige wahrscheinlich auf dem Heimweg weggeworfen hat - vergeblich. "Wir bitten Anwohner, die im Bereich Bahnhofstraße, Turmstraße, Veerßer Straße, Dieterichsstraße, Karlstraße und Bohldamm ein Messer finden, dieses nicht anzufassen, sondern die Polizei zu informieren", sagt Uelzens Kripochef Jan-Olaf Albrecht.


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